UMWELTSCHUTZ – Das kollektive Unbehagen

Unsere Massengesellschaft hat für den Einzelmenschen zur Folge, dass er immer weniger fähig ist, zwischenmenschliche Beziehungen zu erleben. Wenn wir in und um uns schauen, so stellen wir fest, dass viele Menschen unbewältigte Probleme haben.

Der Wille oder das Vermögen, diese Probleme zu lösen ist oft gering. Die verdrängten Ereignisse der eigenen Vergangenheit bewirken eine unzufriedene Lebenshaltung. Die Ursache dieses Unglücks ausser sich zu suchen ist eine weit verbreitete und zudem die bequemste Haltung. Ich glaube, dass die Unzufriedenheit Bestandteil das kollektiven Unbewussten ist. Weil dieses Unbehagen kollektiv erfahren wird, kommt Individuum und Unterbewusstsein es auch als Massenerscheinung zum Ausdruck: Unbehagen gegenüber der gefährdeten Umwelt.

Dass der Umweltschutzgedanke heute weitere Kreise der Bevölkerung erfasst als noch vor zehn Jahren, ist positiv zu werten. Gefährlich ist jedoch, wenn wir dabei den Ursprung des Gedankens nicht erkennen. Den Ursprung zu erkennen, bedeutet zu erfassen, dass die gestörte Umwelt die Konsequenz einer unerfüllten Innenwelt ist. Darum gilt es vorerst das eigene Innenleben in Ordnung zu bringen.

Erst Selbsterkenntnis hat zur Folge, dass wir uns mit einem echten Umweltschutzgedanken identifizieren können. Ansonsten führt das Streben nach einer natürlichen Umwelt leicht zu Fanatismus oder Resignation, was der Sache an sich nur schadet.

 

Pierre Mollet, 1973

Von |2018-05-17T02:56:04+02:00Oktober 21st, 1973|Gesellschaft, Zeitgeist|