Romania

Fluchthilfe 1968

Dunkle Nacht auf unheimlichen Strassen, manchmal ein entgegen kommendes Auto, eine Polizeistreife oder gar Armeefahrzeuge unterstrichen die vibrierende Atmosphäre. Da hielt uns jemand an, der hinter seinem Wagen uns entgegenkam und fragte, wie kommt man in die Schweiz? Die nächste Verzweigung links, mein Kommentar. Danke und gute Reise, die Antwort. Wir fuhren weiter, am Auto mit den beiden Insassen vorbei.

Es ging eine Weile, bis es mir dämmerte. Alle durchlebten Ereignisse liessen plötzlich Klarheit entstehen. Es war nicht irgendwo und irgendwann auf irgendeiner Ferienreise. Es war nach dem Einmarsch der Russen in die Tschechoslowakei und wir befanden uns in Rumänien, das ganze Land und alle Leute in Aufruhr. Sie befürchteten, die Russen würden auch hier einmarschieren. Überall gab es Ansammlungen von Leuten, die wild diskutierten oder um ein Radio versammelt waren.

Sämtliche Reisenden aus den Ostblockstaaten standen vor einer grossen Entscheidung. Sie wussten, eine Ära der relativen Ruhe war zu Ende und eine neue begann, eine, die jede Hoffnung auf Veränderung oder gar Öffnung des eisernen Vorhangs ersticken würde. Aber alles war durcheinander, man hörte, die Grenze nach Jugoslawien sei offen und von dort aus nach Italien durchlässig. Also überlegten sich alle, ob sie diese Chance nicht nützen sollten, es wäre für die nächsten zwanzig Jahre die letzte. (Dass es dann tatsächlich zwanzig wurden, wusste niemand, aber die Volksseele ahnte richtig).

Das alles erzeugte die Einsicht: Der Ostdeutsche hat nicht einfach nach dem Weg gefragt! Obwohl wir schon eine Weile weiter gefahren waren, hielten wir nun an; ich stieg aus und wartete. Es war nicht ohne Angst, die geladene Atmosphäre liess mich nicht wissen gehören die nächsten blendenden Scheinwerfer einem Armeefahrzeug, einem Polizeiauto oder dem, der uns angehalten hatte. Der nächste Wagen hielt, welche Erleichterung, es war das Paar, das uns aufgehalten hatte. Allen war klar, worum es ging, wir stiegen zu ihnen und begannen die Lage zu besprechen.
Doch davon später.

Wie waren wir überhaupt in diese Lage geraten? Es war wohl unsere abenteuerlichste Reise und die brisanteste! Noch immer herrschte kalter Krieg, jedoch erstmals war es möglich geworden in Europa`s Osten zu reisen.

Pranske Jaro 1968!

I

Wir fuhren über Österreich, Ungarn nach Rumänien. Ein Land, das uns aus verschiedenen Gründen anzog; lateinische Sprache, auch deutsch, vielfältige Landschaft vom Meer bis zu Skigebieten, ehemalige Kornkammer Europas, sogar Ölfelder.

Die ersten Eindrücke waren romantisch geprägt. Idyllen wie zu Gotthelfs Zeiten. Ein Mann, der seine Kuh an der Leine am Strassenbord fressen liess, Gänse auf den Strassen, Teiche, Pferdegespanne mit Leiterwagen, bunt bemalte kleinere Häuser entlang den Strassen, manchmal geteert oder auch nicht.

Die erst Panne! Platter Reifen. Wir waren gerüstet, das Reserverad wurde montiert und weiter ging die Reise durch Siebenbürgen. An einem Nachmittag erreichten wir den Hauptplatz von Sibiu, Herrmannstadt. Wir waren erstaunt und erfreut; mittags um vier war der ganze Platz voll Leute, die spazierten und sich unterhielten, so richtig südländisch.

Jetzt versuchten wir, die Reifenpanne zu beheben. Eine Garage fand sich nicht, aber kaum hatten wir angehalten, erkundigte sich ein deutschstämmiger Junge wo wir herkämen, ob er uns helfen könne. Er hiess Emil und erklärte uns, er sei auch Deutscher, was uns erstaunte, erwarteten wir doch eher, er würde sagen Rumänier mit deutschen Wurzeln. Jedenfalls gab er zu verstehen, normale Autofahrer hätten Pneuflickzeug bei sich und würden Löcher selber flicken. Er half uns, dies auszulehnen und die Reparatur durchzuführen.

Eine merkwürdige Art; ein Gummiflecken wurde auf dem Loch mittels einem Metallplättchen und einer Schraubzwinge fixiert. In einer Vertiefung des Blechs, lag eine Metatablette. Diese wurde entflammt und so war nach einer Weile der Gummi aufvulkanisiert. Danach fiel uns ins Auge, dass oft Fahrzeuge am Strassenrand standen; ölverschmierte Leute versuchten Motoren wieder in Schwung zu bringen oder flickten Reifen. Mit Emil blieben wir auch später im Kontakt.

Vorerst fuhren wir weiter, allerdings noch unwissend, welchen dramatischen Ereignissen entgegen. Zuerst steuerten wir für Strandferien ans Schwarze Meer nach Mamaia. Dass das Hotel, damals das Einzige, noch nicht fertig gebaut war, störte uns nicht gross. Danach machten wir eine Expedition ins Donaudelta.

Auf der zunehmend rumpligen Strasse bemerkten wir erst nach einer Weile eine weitere Reifenpanne. Da wir in der zunehmend menschenleeren Gegend nicht auf Hilfe hoffen konnten, mussten wir vorzeitig umkehren. Auf dem Weg nach Bukarest hielten wir ständig Ausschau nach einer Garage, fanden keine und merkten in der Hauptstadt, dass dies sowieso vergebens gewesen wäre.

Es war 23. August, Nationalfeiertag, wir fuhren durch menschenleere Strassen bis wir an einem Boulevard auf einen ewig langen Umzug stiessen. Zuschauer hatte es ausser uns keine.  Alle Menschengruppen trugen zuvorderst riesige Transparente. Was darauf stand verstanden wir nicht, aber oft sahen wir Grafiken deren Kurven zunehmend steiler nach oben führten. Die Menschen trugen meist Trainer und warteten bis auch sie am Staatschef vorbei defilieren durften. Als der Aufmarsch vorbei war, erschienen auf der ganzen Breite des Boulevards, V-förmig gestaffelt, etwa zwanzig Wasser speiende Fahrzeuge. Der Spuk war vorüber, und wir übernachteten in einem Hotel.

Anderntags setzten wir unsere Reise fort, immer noch nach einer Garage suchend. Oh Schreck, wieder Reifenschaden, und kein Flickzeug. Im Nu waren wir umringt von Zuschauern, die uns Hilfe anboten. Zuerst einmal Trauben essen dann reden.

Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten war uns bewusst, dass keine Garage uns helfen könnte, sondern wir mit den zwei defekten Rädern zu einem für „Cauciucare“ gehen müssten. Eine Person begleitete mich in einem Bus, wir fanden den Reifenflicker und erfuhren, dass keine neuen Schläuche oder gar Reifen erhältlich wären.

Also machte sich der Arbeiter ans Werk wie wir es mit Emil erlebt hatten. Der eine Schlauch war bald repariert, derjenige vom Donaudelta machte mit seinen 13 Löchern etwas mehr Mühe, was jedoch den Arbeiter nicht sonderlich beeindruckte. Zurück beim Auto, half der Begleiter noch das eine Rad zu montieren. Wir waren überglücklich auch wieder ein intaktes Reserverad zu haben und der Helfer war glücklich über seinen Lohn in harter Schweizerwährung.

Was uns jedoch den nächsten Schrecken brachte, war das Fehlen der Pässe. Wir hatten vergessen, sie im Hotel abzuholen. Im nächsten Hotel baten wir darum, uns die Pässe an unseren nächsten Aufenthaltsort senden zu lassen. Das war zwar nicht so einfach, aber letztlich versicherte man uns, wir könnten die Pässe anderntags auf dem Flugplatz von Timishoara abholen.

Infolge der Pannen und der zeitraubenden Versuche, telefonische Verbindungen herzustellen, waren wir jetzt nicht nur einen Tag zu spät, sondern hatten auch kein reserviertes Hotel mehr. Freie Hotelwahl war damals im Ostblock nicht möglich; Kontrolle unerlässlich. Wir mussten also einen Tag aufholen und somit bis in die Nacht hinein fahren.

II

Ja jetzt passierte es!  Wie kommt man in die Schweiz? Wir sassen also mit dem Ostdeutschen Ehepaar in ihrem Moskwitch. Sie erklärten ihr Bedürfnis zu flüchten, wie schwierig die Entscheidung sei und was alles damit zusammen hänge. Wie die Meisten, hatte der Mann Militärdienst geleistet und wurde als Geheimnisträger eingestuft. Wenn also eine Flucht fehlschlug, hätte er Gefangenschaft in Sibirien zu gewärtigen. Wenn die Flucht gelang, wären sie zwar frei, aber sie mussten Bedenken, dass ihre Verwandten Repressionen ausgesetzt sein könnten.

Wir machten unsererseits zwei Vorschläge:
Sie könnten uns folgen bis in die Nähe der rumänisch/jugoslawischen Grenze, dort würden sie das Auto stehen lassen und mit uns reisen. Wir hatten einen Stationswagen in den wir ausser Gepäck eine Matratze gelegt hatten für allfällige Herberg-Notfälle. Unter dieser Matratze müssten sie sich verstecken und weil wir an der Grenze als Schweizer kaum behelligt würden, wäre die Chance des Gelingens gross.

Oder, beeinflusst vom Missgeschick mit den Pässen, würden wir ihnen später mit einer analogen Inszenierung helfen. Das Ehepaar Bucher glich uns, wir würden also im Februar nach Bukarest fliegen, dort im selben Hotel absteigen, die Pässe abgeben, sie sofort wieder aus den Kästchen nehmen (oder Auschecken), ihnen die Pässe übergeben, zwei Tage warten und dann die Botschaft verständigen über den Verlust der Pässe. In den zwei Tagen wären die beiden dann schon lange über die Grenze geflüchtet.

Jetzt hatten die beiden zu überlegen. Sie übernachteten in ihrem Hotel und wir davor im Stationswagen. Anderntags fuhren wir nach Timishoara, Fehlanzeige, die Pässe waren noch nicht dort, Buchers konnten noch länger abwägen. Am nächsten Tag waren wir wieder auf dem Flugplatz und tatsächlich landete gegen neun Uhr eine Antonov, der Pilot stieg aus, unter dem Arm ein grosses gelbes Couvert, kam auf uns zu und überreichte uns die Pässe. Hände schütteln, danken, oh Freude, denn bei vielen vorgängigen Begegnungen wurde gezweifelt, ob wir je die Pässe wieder erhalten würden.

Alle meinten, wenn ihnen die Pässe in die Hände fielen, würden sie damit sofort einen Fluchtversuch starten. Beide Fluchtvarianten waren nun möglich. Jetzt entschieden sich die beiden, nicht sofort zu flüchten. Sie müssten zurückkehren, erst ihre Verwandten orientieren und um Rat fragen. Sie beschenkten uns noch mit jugoslawischem Geld, das sie nicht mehr brauchten. Wir trennten uns, nachdem wir genau geplant hatten, wie wir im Kontakt bleiben würden.

III

Uns gelang die Weiterreise problemlos. An der Grenze hatte es eine kilometerlange Kolonne von Fahrzeugen, die auf eine Passage hofften. Wir wurden von den Wartenden vorbei gewiesen, weil sie sahen, dass wir nicht aus dem Osten stammten.

Den Zoll passierten wir anstandslos und dachten, Plan 1 wäre also gelungen. Wieder zu Hause nahmen wir bald Kontakt auf mit unserem Paar aus Ostberlin. Dazu hatten wir eine Adresse in Westberlin, dorthin sandten wir einen Brief, die Empfänger trugen ihn über die Zonengrenze zu Buchers, diese schrieben eine Antwort, welche ihre Bekannten zurück nahmen und in Westberlin der Post übergaben.

Dies geschah mehrere Male, bis der Plan genau abgestimmt war. Eine unvorhergesehene Tatsache durchkreuzte alle Pläne: die Zeugung unseren ersten Sohnes auf eben dieser Reise. Mit dieser Erwartung, getrauten wir uns nicht im Februar ein Risiko einzugehen. Der ganze Plan wurde verschoben. Ein halbes Jahr später erhielten wir die Nachricht, unser Paar sei auf eigene Faust geflohen und unversehrt nach Düsseldorf gelangt. Die Verbindung wurde erst heute wieder gesucht.

Wiedersehen mit Emil

I

Viele Jahre waren vergangen seit der aufregenden Reise nach Rumänien. Mit Emil blieben wir in Kontakt indem wir manchmal Briefmarken oder Kleider sandten. Mit der Zeit verblasste die Beziehung. Doch unversehens ging der Vorhang auf. Ich erinnerte mich der zwanzig Jahre Hoffnungslosigkeit, welche die Ostleute vorausgesehen hatten. Jetzt waren Rumänien sowie Emil wieder näher gerückt und ich begann mir Gedanken zu machen, ob ich dort etwas unternehmen könnte. Ich ahnte, wie arm das Land unterdessen geworden war.

Leider hörte ich, wie viele Deutsche bei der ersten Gelegenheit das Land verlassen hatten. Besonders in Siebenbürgen waren sie die treibende Kraft gewesen; Zeitungen, Bücher und Gymnasien zeugten davon. Mit dem Aderlass schwand wohl auch das ausländische Vertrauen in die Zukunft des Landes. Gerade deshalb wäre es fördernd, dort etwas aufzubauen. Emil wäre da der gute Mittelsmann, er kennt beide Sprachen, ist vertraut mit den Eigenheiten der Behörden, der Politik, den Gepflogenheiten zumindest in Siebenbürgen.

Zudem war er unterdessen über 35 Jahre alt. Also begann ich ihn zu suchen. Zuerst direkt, dann über die Botschaft, merkte aber bald, dass das viel Zeit kosten würde. So beschloss ich, einfach nach Sibiu zu fahren, fragte eine Freundin um Begleitung und im Sommer 1993 war es so weit, wir steuerten wie 25 Jahre zuvor Rumänien zu. In Ungarn waren die ersten Zeichen eines Aufschwungs zu spüren, nicht so nach der rumänischen Grenze. Im Gegenteil, die malerischen Häuschen, die ländliche Idylle waren spärlich geworden, ersetzt durch vereinsamte riesige Mähdrescher oder menschenleere Kolchosenhöfe.

Cluj war die erste grössere Stadt, durch die wir fuhren. Neubauten die, noch nicht fertig, schon verrottend, umgeben von Aushub, der bereits überwuchert war und wohl nie bearbeitet würde, prägten sich ein. Auf offener Strasse stand ein verrostetes Tram, das anscheinend ausgedient hatte. Oh nein, plötzlich fuhr es los, es waren Leute drin. Alles war so trostlos, mir kamen die Tränen. Wenn wir auf eine nächste Stadt zu fuhren, war dies schon 10 Kilometer vorher zu erahnen, angekündet durch eine Dunstglocke oder eher gelblichen Rauch, der in die Nase stach und zunehmenden Verkehr mit schwarzen Auspufffahnen.

II

In Sibiu gingen wir sofort auf den Polizeiposten. Welche Überraschung als wir nach Emil fragten: Ja, ob wir mit ihm telefonieren möchten? Klar, schon war er zu hören, er erinnerte sich an alles und wir machten ab im „Römischen Kaiser“ wie damals um drei Uhr nachmittags. Wir trafen uns, besuchten seine Mutter und erlebten dort wieder die trostlosen Verhältnisse. Im einzigen grossen Wohnraum neben der Küche standen zwei Betten, ein Tisch mit Stühlen, viele Schränke, darin und darüber voll gestopft mit Waren.

Emil erklärte, wegen der immensen täglichen Abwertung, würde alles Geld sofort in Waren umgesetzt. Im Bett lag kreidebleich der todkranke Vater, der seine Umgebung nicht mehr wahrnahm. Wir unterhielten uns ein wenig. Die Mutter wollte uns unbedingt beschenken, sodass wir ein Tee-Service mitnehmen mussten. Von Emil erfuhren wir, wie unsicher alles sei in diesem Land. Alle würden etwas rumschachern, mit Arbeit verdiene man zu wenig, in Bukarest sei er überfallen worden und das einzig kostbare, die Lederjacke, hätte man ihm weggenommen.

Als er erfuhr, dass wir wild campierten und ein Zelt dort gelassen hätten, war er überzeugt, das sei nicht mehr dort. Das konnten wir kaum glauben. Unsere Erfahrungen waren anders. Beim Baden hatten wir den Autoschlüssel verloren, tauchten nach ihm, fanden nichts, begnügten uns mit unserem zweiten Schlüssel und wollten uns entfernen. Die badenden Kinder mussten gemerkt haben, was los war, begannen zu tauchen und brachten uns das Vermisste, kaum hatten sie es gefunden. Oder, das Zelt stand noch immer dort, als wir zurückkehrten.

Andere Erfahrungen zeigten, wie unumgänglich eine Mittelsperson für meine Pläne wären. Wir besuchten einen Schweizer, der, gefördert durch eine evangelische Organisation, eine Garage betrieb. Er erzählte einerseits von den Möglichkeiten, mit ganz wenig Geld hier vieles bewirken zu können, andrerseits von den immensen Behinderungen, die solche Projekte erführen. Es brauche so viel Zeit Formalitäten zu erledigen, dass die Hilfe meist aufgegeben würde.

Emil war zwar jetzt sechsunddreissig Jahre alt, doch ich begann zu zweifeln, ob er der Aufgabe eines Vermittlers gerecht werden könnte. Jedenfalls bestätigten wir unsere Freundschaft und versprachen, ihn in die Schweiz einzuladen. Nach einer kleinen Rundreise in dem noch immer bewunderungswürdigen Land, kehrten wir in die Schweiz zurück.

III

Jetzt erledigten wir alle Formalitäten, damit Emil uns besuchen könnte: Bestätigung unseres Aufkommens für den Gast, Bestätigung unserer Stadt, dass wir dazu in der Lage seien, Kontakt mit der Botschaft usw. Jedenfalls kam Emil zu Besuch.
Er war ganz mager, freute sich wie ein Kind, ja mit der Zeit fiel uns auf, dass er auch sonst wenig erwachsen geworden war. Aber es freute ihn, etwas arbeiten und so Geld verdienen zu können.

Und er erlebte einen Kulturschock; immer wieder sagte er, das sollten seine Landsleute einmal sehen. Andrerseits war er auch erstaunt, dass ein gutes Essen für zwei Personen im Restaurant soviel kostete, wie er als Techniker in Sibiu im Monat verdiente. Letztlich fuhr er wieder nach Hause. Allerdings benahm er sich auf der Rückreise so verkehrt, dass er etwa die Hälfte des Verdienstes wieder loswurde. Freude blieb ihm trotzdem, einmal dank den überwältigenden Eindrücken und auch weil er immer noch etwa zehn rumänische Monatslöhne nach Hause brachte. Meine Hoffnungen jedoch, mit ihm in Rumänien etwas bewirken zu können, waren geschwunden.

Zwei Jahre später erfuhren wir von seiner Mutter, Emil sei gestorben. Alle Eindrücke passierten Revue. Die früheren atmosphärischen Gefühle, hatten das nahende Schicksal angedeutet. Was hatte seine hagere Knochengestalt bedeutet, seine Labilität, die Bemerkung seiner Mutter damals: er tut nicht gut?

Pierre Molet, 2013

Von |2018-05-16T01:52:49+01:00Juni 20th, 2013|Dichtung, Zivilcourage, Gewissen und Spontanität|